Geschichte des Fallschirmsports
In China sprangen schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts wagemutige Zirkusartisten mit einer Art Sonnenschirm von hohen Türmen. Man kann sie deshalb als die ersten Fallschirmspringer überhaupt bezeichnen.
| 1483 fertige |
Der in Sibenik geborene Kroate |
Montgolfier stürzte sich 1777 vom Dach seines Hauses in Annonay – gestützt auf seine Berechnungen über den Widerstand der Luft und durch kleinere Vorversuche von der Richtigkeit seines Vorhabens überzeugt. Das Experiment glückte. Allerdings waren seine Frau und Eltern darüber so entsetzt, dass er schwören musste, es nicht zu wiederholen. Nach zwei Jahren nahm er die Versuche wieder auf – diesmal jedoch mit Tieren, z.B.mit einem Hammel, den er vom Turm des Papstpalastes in Avignon (35 m hoch) mehrfach erfolgreich "absetzte".
Am 3. Oktober 1785 ließ Jean-Pierre Blanchard in Bornheim, einem Stadtteil von Frankfurt am Main, seinen Hund und am 23. August 1786 in Hamburg einen Hammel von einem Ballon aus mit dem Fallschirm herab.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfand die deutsche Luftfahrt-Pionierin |
Vom deutschen Luftschiffbau-Ingenieur Otto Heinecke stammt das Prinzip der doppelten Hülle
(POD) und der
am Flugzeug befestigten Aufziehleine, wie es noch heute verwendet wird. Es gestattet einen gefahrlosen Absprung, bei dem sich der Fallschirm nicht am Fluggerät verfangen kann.
Als erster Pilot in der Geschichte der Luftfahrt sprang der Franzose Adolphe Begoud am 20. August 1913 mit dem Fallschirm aus seiner Bleriot.
Am 28.April 1919 führt der Amerikaner Leslie Le Roy Irvin den ersten Freifallsprung mit einem manuell auslösbaren Rückenfallschirm, einer Konstruktion von W.L. Hoffman und Floyd Smith, aus einem Doppeldecker durch.
Als Vater des deutschen Fallschirmsports gilt Richard Kohnke. Er sprang 1930 aus ein Höhe von 7800m und öffnete seinen Schirm erst nach 142 Sekunden Freifall. Dabei stellte er fest, dass der Springer durch das Verändern der Körperhaltung seinen freien Fall beeinflussen kann.
In der 50er Jahren fand die erste Übergabe eines Stabes im Freifall statt.
Anfangs der 1960er Jahre wurde in Zusammenhang mit den ehrgeizigen Raumfahrtplänen der USA und der UdSSR auch die Entwicklung von Fallschirmen vorangetrieben, um die Raumkapseln nach Missionsende ggf. besser zur Erde zurückbringen zu können.
Nach der Weiterentwicklung u. a. der bereits in den 1950ern verfolgten "Francis Rogallo|Rogallo-" und "Mehrzeller-Konzepte", wurde dabei 1962 mit dem Paracommander US eine steuerbare Hochleistungsrundkappe zum Patent angemeldet.
Am 1. Januar 1963 folgte Domina Jalbert mit dem Patent eines speziellen mehrzelligen Fallschirms.
Im März 1963 veröffentlichte Jalbert seine Erkenntnis, dass man sich zur effektiven Leistungssteigerung wohl grundsätzlich von der parabolischen Form der Fallschirme verabschieden müsste und stattdessen luftgefüllte Zellen in Tragflächenform verwenden sollte.
Am 1. Oktober 1964 erfolgte durch Jalbert die Anmeldung eines entsprechenden kasten- oder matratzenförmigen mehrzelligen Fallschirmkonzeptes (Parafoil), mit dem er im Prinzip Rogallos frühere Ideen (s.a. Gleitsegel) aufgriff. Noch im selben Jahr flog eine erste motorisierte Version von Nicolaides.
Da die NASA doppelflächigen Fallschirmsystemen damals skeptisch gegenüberstand, wurde von Dave Barish ein rechteckiger Einzelflächen-Schirm entwickelt und ebenfalls 1964 patentiert. Dessen Weiterentwicklung von 1965, der Sailwing, kann als erster Gleitschirm der Geschichte gelten.
Nachdem Steve Snyder Öffnungsverzögerungen (
Slider) für den Parafoil von Jalbert entwickelt hatte, konnte Paul Poppenhager wohl den ersten Fallschirmabsprung mit einem Parafoil ausführen. 1967 erfolgten Sprünge damit, aber offenbar noch mit "offenem Schirm" oder mit sofortiger Öffnung und erst Fortentwicklungen der Öffnungsverzögerung durch Snyder ermöglichten endgültig freifalltaugliche Schirme. Ebenfalls 1967 wurde durch Walter Neumark wohl auch der erste Fußstart mit einem Parafoil ausgeführt.
Bereits 1968 stiegen die Golden Knights, eine bekannte amerikanische Fallschirmspringer-Truppe, vom Parawing des Rogallo-Typs auf einen Parafoil-Fallschirm um.
Im Laufe der folgenden zehn Jahre setzten sich die neuen Matratzen-Fallschirme dann weltweit durch und hatten ca. 1980 die früheren Rundkappensysteme im Fallschirmsport weitgehend ersetzt.
Ende der 70er Jahre hatten sich die springerischen Fähigkeiten im Bereich Formationsspringen (Relativspringen) soweit entwickelt, dass neue Möglichkeiten im Schulungsbereich eröffnet wurden.
In den USA experimentierte man mit verschiedenen "Harness-Hold-Methoden". Den Durchbruch schaffte Ken Coleman 1981, als sein Konzept "AFF" offiziell durch die USPA anerkannt wurde. In den ersten 5 Jahren konnte auf diese Weise ca. 6.000 Schüler weitgehend unfallfrei ausgebildet werden, von denen ca. 90% über die Ausbildungszeit hinaus beim Fallschirmsport verblieben.
In Deutschland wird seit 1985 die
AFF-Ausbildung praktiziert.

